Wie wir helfen können

Wie Sie ein Familienmitglied mit Hörverlust unterstützen können

Trägt jemand, der Ihnen sehr wichtig ist, ein Hörgerät? Fühlt sich diese Person unsicher durch ihr verändertes Hörvermögen? Und weiß sie nicht so recht, wie sich der Weg hin zu besserem Hören gestaltet? In diesem praktischen Leitfaden erfahren Sie, wie Sie ein Familienmitglied gut unterstützen können, wenn sich sein Hörvermögen verändert.
Veröffentlicht 30.09.2025,
Bearbeitet 17.09.2026
3 Lesedauer
HörgesundheitHörverlust

Hörveränderungen bei einem Verwandten

Wie kann ich meinem Familienmitglied helfen, besser zu hören?

Die größte Hilfe für Partner, Eltern oder andere Verwandte, wieder besser zu hören, ist eigentlich ganz einfach: Sprechen Sie so früh wie möglich und so offen wie möglich gemeinsam über Veränderungen beim Hören und Hörgesundheit. Diese Person trägt ein Hörgerät? Dann ist es auch wichtig, ihr zu helfen, ihre Hörgeräte richtig zu nutzen und das Beste aus ihnen herauszuholen.

Es gibt viele Möglichkeiten, ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, in dem Ihr Familienmitglied wieder voll am Geschehen teilhaben kann.

Es ist sehr wichtig, dass die Familie einbezogen wird und versteht, wie es um das Gehör ihres Angehörigen steht. Nur so können sie gemeinsam Strategien entwickeln, die im Alltag auch wirklich funktionieren.

H.Pintado
Hörakustiker

Ein Gespräch über Hörgesundheit beginnen

Wie spreche ich das Thema Hörverlust bei meinem Angehörigen an?

Sie haben bemerkt, dass ein Familienmitglied Veränderungen beim Hören erlebt.1 Jetzt kommt die Herausforderung: das sensible Thema ansprechen. Vielleicht machen Sie sich Sorgen, wie Sie das Thema Hörverlust am besten mit Ihrem Partner oder Angehörigen besprechen. Das ist völlig normal und verständlich! Genau deshalb ist es umso wichtiger, möglichst einfühlsam und verständnisvoll vorzugehen.
5 Tipps, wie Sie ein unterstützendes Gespräch über Hörverlust am besten beginnen:
  • 1.

    Seien Sie offen und ehrlich

    Sprechen Sie darüber, wie sich Veränderungen beim Hören auf alle Menschen in der Familie und näheren Umgebung auswirken. Betonen Sie, dass ein offenes Gespräch über dieses Thema zu guten Lösungen führen kann. Erzählen Sie auf respektvolle Art, welche Schwierigkeiten Sie im Alltag der Person mit Hörverlust beobachtet haben. So entsteht Raum für Vertrauen und in Folge auch für gegenseitiges Verständnis und gegenseitige Unterstützung.
  • 2.

    Heben Sie die Vorteile hervor

    Erklären Sie, was besseres Hören alles bewirken kann: mehr Energie, klarere Gespräche, mehr Teilhabe am Alltag und das Gefühl, den Menschen, die man liebt, wieder näher zu sein. Betonen Sie Punkte wie: Wenn man Hörprobleme anpackt, kann man die schönen Momente im Leben wieder bewusster genießen und mit seinen Liebsten in Verbindung bleiben. Und man fühlt sich jeden Tag ein bisschen sicherer und wohler im Alltag.
  • 3.

    Bestätigen Sie, dass es Lösungen gibt

    Moderne Hörgeräte bieten Lösungen für ganz unterschiedliche Lebensstile und Hörbedürfnisse. Sprechen Sie über die Vorteile von Hörgeräten. Gehen Sie dabei behutsam vor. Erklären Sie, wie moderne, smarte Technik das Hören einfacher und angenehmer macht, und wie das Leben dadurch allgemein wieder leichter, schöner und vielseitiger wird.
  • 4.

    Gehen Sie auf Sorgen ein

    Fragen Sie Ihre Verwandten, welche Sorgen sie haben und warum sie kein Hörgerät tragen wollen. Geben Sie ihnen genug Raum, die eigenen Gefühle offen auszusprechen, und verurteilen oder bewerten Sie nicht, was sie sagen. Versuchen Sie zu verstehen, welche Erwartungen an Hörlösungen gestellt werden, und welche Wünsche und Hoffnungen es gibt. Nutzen Sie alles, was Sie im Gespräch erfahren haben, um ihren Verwandten zu helfen, Hilfe anzunehmen.
  • 5.

    Teilen Sie mit, dass Sie für sie da sind

    Oft hilft es, wenn eine Vertrauensperson oder eine andere Person aus der Familie, die selbst schon Hilfe rund um ihre Hörgesundheit in Anspruch genommen hat, den Ablauf einer Höruntersuchung in Ruhe erklärt. Das kann Ihren Verwandten mit Hörverlust vielleicht ein paar Sorgen nehmen und ihnen mehr Sicherheit geben.

    Ihr Hörakustiker bietet auch gerne Beratung und Unterstützung auf dem Weg zu besserem Hören.1
Eine Großmutter steht lächelnd in der Küche und kocht, dabei trägt sie Hörgeräte

Bedürfnisse bei Hörverlust verstehen

Sie helfen auch mit auf dem Weg hin zu besserem Hören

Eine der besten Möglichkeiten, einen Verwandten zu unterstützen, ist, ihn zum Hörtest zu begleiten. Sie sind eine Vertrauensperson und geben Sicherheit. Dadurch fühlt sich Ihr Verwandter gut aufgehoben, ermutigt und informiert.2

Rohrer betont, dass es ganz entscheidend ist, eine möglichst vollständige Diagnose zu bekommen. Nur so kann die Person mit Hörverlust ihre Situation gut verstehen, und auch, welche Unterstützung oder Hilfsmittel sie vielleicht braucht.

Genauso wichtig ist aber auch, dass Familienmitglieder und enge Freunde diesen Prozess verstehen. Dann können sie besser unterstützen und nachvollziehen, was die betroffene Person braucht und was ihr guttut.

H. Pintado
Hörakustiker
Paar macht einen Online-Hörtest mit Hörgeräten
5 Vorteile, wenn Sie Ihren Verwandten zum Hörtest begleiten:2
  • 1.

    Unterstützung und Sicherheit

    Bieten Sie emotionale Unterstützung und helfen Sie, Ängste oder Stress rund um den Termin so gering wie möglich zu halten.
  • 2.

    Blick von außen

    Schildern Sie, wie Ihr Familienmitglied in unterschiedlichen Situationen hört, zum Beispiel zu Hause, im Lokal oder in einer Gruppe. Solche Beobachtungen einer anderen Person können für den Hörakustiker sehr wertvoll sein.
  • 3.

    Unterstützung bei der Kommunikation

    Helfen Sie beim Verstehen der Erklärungen und Empfehlungen des Hörakustikers.
  • 4.

    Gedächtnisstütze

    Helfen Sie Ihrem Verwandten, sich wichtige Details zu merken, damit keine wichtigen Informationen oder Anweisungen verloren gehen.
  • 5.

    Entscheidungshilfe

    Ihre Sichtweise kann Ihrem Verwandten helfen, selbstbewusst gut überlegte Entscheidungen zu treffen, was zum Beispiel die Pflege, die Technik und die nächsten Schritte betrifft.

Sich an neue Hörgeräte gewöhnen

Wie kann ich meinem Verwandten helfen, sich an das Tragen von Hörgeräten zu gewöhnen?

„Es ist hilfreich, wenn die Familie die Person mit Hörverlust beruhigt und ihr erklärt, dass sich Umgebungsgeräusche am Anfang anders anhören können. Das ist einfach ein Zeichen dafür, dass sie dank ihrer Hörgeräte wichtige Geräusche wieder hören, die sie vielleicht schon lange nicht mehr gehört haben“, sagt Hörakustikerin A. Marko.

Hörgeräte tragen wird sich am Anfang für Ihren Verwandten komisch anfühlen.3 Ganz normale Geräusche wie Schritte oder das Summen des Kühlschranks können fremd und ungewohnt klingen. Wenn Hörgeräte ein paar Wochen lang regelmäßig getragen werden, gewöhnt sich das Gehirn daran, und diese Geräusche hören sich dann auch wieder normal an.

Ermutigen Sie Ihren Verwandten, das Hörgerät jeden Tag ein bisschen länger zu tragen. So fällt es dem Gehirn leichter, sich umzustellen, und die Eingewöhnung wird insgesamt angenehmer.

Hilfreiche Strategien für eine gute Kommunikation

Kommunikation hörfreundlich gestalten

Zu Hause oder unterwegs gibt es viele Möglichkeiten, einem Verwandten das Hören zu erleichtern.
  • Kommunikation hörfreundlich gestalten

    Überlegen Sie sich ein paar hörfreundliche Kommunikationsstrategien. Sie können zum Beispiel Hintergrundlärm reduzieren, sich beim Sprechen immer direkt zu der Person mit Hörverlust hin drehen, und sicherstellen, dass Ihr Verwandter immer aktiv in Gespräche eingebunden ist.
  • Wenden Sie sich an Ihren Hörakustiker.

    Wenn Sie merken, dass die Schwierigkeiten trotzdem nicht weggehen, sprechen Sie mit Ihrem Hörakustiker über ein Hörtraining (aurale Rehabilitation). Das sind gezielte Übungen, mit denen das Gehirn lernt, die Geräusche der Hörgeräte besser zu verarbeiten.
  • Begleiten Sie Ihren Verwandten

    Sie können Ihren Verwandten auch zu den Terminen beim Hörakustiker begleiten. So können Sie aufpassen, dass Ihr Verwandter die Hörgeräte korrekt verwendet, aber auch bei einfachen Problemen oder beim Wechseln von Batterien oder Cerumenfiltern helfen.

    Mit ein bisschen Aufmerksamkeit und Zuwendung können Sie Ihrem Verwandten helfen, selbstbewusst mit den Hörveränderungen umzugehen und sich immer verbunden und gut begleitet zu fühlen.
Freundinnen beim gemeinsamen Training, sie tragen Hörgeräte für eine klare Kommunikation

Motivation hilft enorm

Es ist ganz normal, dass Menschen Veränderungen ihres Hörvermögens am Anfang herunterspielen oder ignorieren.4 Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Manche bemerken die Anzeichen für den Hörverlust gar nicht richtig, und manche finden, dass man noch nichts unternehmen muss, weil es noch nicht so schlimm ist. Manche Menschen haben aber auch Angst, weil das Thema Hörverlust leider immer noch ein Tabu ist.

 

  • Wenn Ihr Freund oder Verwandter trotz der professionellen Unterstützung eines Hörakustikers noch immer zögert, den Hörverlust zu akzeptieren und zu behandeln, müssen Sie weiterhin unterstützen und motivieren.

    Sprechen Sie darüber, wie Hörgeräte helfen können, geistigen Abbau zu verlangsamen, der oft durch Hörverlust verursacht wird.5 Oder ermutigen Sie die Person, mit einem Hörakustiker zu besprechen, wieso sie kein Hörgerät tragen will.

Dabei sind Einfühlungsvermögen und ein ermutigender Ton wichtig. Damit können Sie viel erreichen! Betonen Sie, dass es keinen Zwang oder Stress gibt, aber die Chance, in aller Ruhe herauszufinden, wie besseres Hören das Leben wieder angenehmer und lebenswerter machen kann. 

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Haben Sie Geduld und bleiben Sie dran, dann wird Ihr Verwandter mit der Zeit von selbst bemerken, dass mit seinem Gehör etwas nicht stimmt. Wichtig ist, dass Sie immer Mut machen und Unterstützung bieten. Geben Sie Ihrem Verwandten auch die Zeit, die er braucht, um mit seinen Hörveränderungen in seinem ganz eigenen Tempo umzugehen.

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Machen Sie noch heute den ersten Schritt

Verwenden Sie einfühlsame und ermutigende Worte Betonen Sie, dass es keinen Zwang oder Stress gibt, aber die Chance, in aller Ruhe herauszufinden, wie besseres Hören das Leben wieder angenehmer und lebenswerter machen kann.
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Sources:

1. HearUSA: You can help make a difference: https://www.hearusa.com/hearing-loss/help-a-loved-one/

2. Hear Canada: Why you should bring a buddy to your hearing assessment: https://www.hearcanada.com/blog/2024_10_07_why-you-should-bring-a-buddy-to-your-hearing-assessment

3. Hear Canada: What Happens After Your Hearing Test: The Next Chapter in Your Hearing Health: https://www.hearcanada.com/blog/2025-05-what-happens-after-your-hearing-test/

4. Journal of Hearing Science: Denial by patients of hearing loss: https://www.journalofhearingscience.com/DENIAL-BY-PATIENTS-OF-HEARING-LOSS-AND-nTHEIR-REJECTION-OF-HEARING-HEALTH-CARE-nA,120311,0,2.html

5. Alzheimer’s & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions: The impact of hearing impairment and hearing aid use on progression to mild cognitive impairment in cognitively healthy adults: An observational cohort study (Feb 2022): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35229022/

JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery: Hearing Loss, Hearing Aid Use, and Risk of Dementia in Older Adults (1 Feb 2024): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38175662/

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